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Ein feste Burg ist unser Gott… - Meditation Wer kennt sie nicht die Hymne der Protestanten – vom Reformator selbst komponiert ! Und dennoch ist es ganz eigenartig: Sie wird nicht oft gesungen in unseren Kirchen.Zu aufwühlend, ja aggressiv scheinen Text und Melodie, Ängste, Wut und Zorn können von ihnen mobilisiert werden, nach dem Gesang bleibt ein trotziges Gefühl zum Widerstand um jeden Preis zurück. Wir hören so etwas wie den verzweifelten Aufschrei eines Menschen, der sich im Kern seines Glaubens bedroht und angegriffen fühlt. Und dieser Aufschrei stiftet Gemeinschaft, ja Schulterschluss in Not und Gefahr. Nach einiger Besinnung frage ich mich dann doch wie dieser Kampfruf sich vereinbaren lässt mit der Botschaft und dem Glauben des Jesus Christus, der dem Schwert seiner Jünger eine Absage erteilte und mit leidendem Mut den Weg ans Kreuz von Golgatha gegangen ist. Und doch kennen wir von Jesus auch eine Geschichte, in der er zum Widerstand griff, im Tempel die Tische der Händler und Wechsler umstieß und das so missbrauchte Gotteshaus eine „Räuberhöhle“ nannte. Bei Jesus war die Grenze des Hinnehmbaren erreicht, wo die Religion in ein Geschäft verwandelt und damit der einzelne Mensch zu einer Ware degradiert wurde. An ähnlicher Stelle hatte Luther mit seinem Protest gegen den Ablasshandel begonnen und einen jahrzehntelangen Streit darum geführt, das Wort der Bibel wieder in die Mitte der Kirche und des Glaubens zurück zu führen. Als er das Lied „Ein feste Burg“ schrieb, war für ihn wieder dieser Punkt des Alles-oder-Nichts erreicht. „Und wenn die Welt voll Teufel wär’ und wollt uns gar verschlingen“ – das Bedrohungsszenario kann kaum noch gesteigert werden – der Ruf zu den Waffen und Rüstungen erscheint wie das Gebot der Stunde – und dann heißt es über den Fürsten dieser Welt, den Feind: „Ein Wörtlein kann ihn fällen“. Was für eine eigentümliche Spannung zwischen dem Ruf nach Verteidigung, ja nach Gegengewalt und der Offenbarung der eigenen Waffen: Das Wort und der Glaube Jesu Christi. Es erscheint mir wie ein Raum der Andacht und Stille als Antwort auf ohrenbetäubenden Kriegslärm. Theologisch hatte der Reformator damit den Kern seiner Botschaft benannt, aber die Gefühle hatten es schwer, hinterher zu kommen: Die Dynamik von Angst und Gewalt behielt für lange Zeit die Oberhand, der bislang letzte Konfessionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland endete erst in diesem Jahr – nach fast 500 Jahren. Was macht dieses Lied heute mit mir ? Ist es mir deshalb so fremd geblieben, weil der Protestantismus sich einfach den Gesellschaftsverhältnissen angepasst hat und im Zweifelsfall niemanden verärgern will ? Gibt es nicht genügend Warnzeichen in unserer Zeit, die den Kern unseres Glaubens berühren, wenn Menschen wieder zu Waren degradiert werden und bei nahezu allen Problemen zuerst nach den Kosten gefragt wird. Oder habe ich einfach zu viel Angst davor, den Glauben Jesu gerade dann ernst zu nehmen, wenn es um die Grundlagen eines menschenwürdigen Zusammenlebens geht ? Brauchen wir dann heute nicht eine neue Hymne, die davon erzählt, wie der Glaube die Mauern der Angst einreißt: „Ein offenes Tor ist unser Gott….“ ? Wir hörten eben von Dingen, Werten und Gewissheiten, mit denen wir heute unser Leben absichern, nicht selten darunter auch solche Sicherheiten und Schutzburgen, an denen ich hänge, ja unter Umständen sogar mein Herz gehängt habe. Es wäre wohl nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, ich wäre frei von solchen Rückversicherungen. Es bleibt aber die Frage, ob ich in meinem kleinen Leben mit all seinen Nöten, Bequemlichkeiten und Freuden noch Raum lasse für Erfahrungen, in denen Gott mir begegnen kann,Gott nicht als Rückversicherung für das Jenseits, sondern als Ermutigung zu einem Leben in Offenheit und Zuneigung zu Mensch und Natur. Dafür hat Jesus von Nazareth den Weg gezeigt und diese Wegweisung brauche ich immer wieder, damit Angst nicht die Türen verschließt. 28.10.07 Helmut Tröber
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